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Mittwoch, 21. August 2013

Ben´s Traum Teil 3

 "Ben, es wird Zeit, dass du erwachsen wirst!", sagte meine Mutter. Ihr Ton klang genervt und leicht vorwurfsvoll. "Du kannst doch in deinem Alter nicht ernsthaft mit Windeln leben wollen. Es muss aufhören!"



"Mama!", konnte ich nur sagen. Sie schaute nicht wirklich umher, war damit beschäftigt, in der mitgebrachten Reisetasche zu kramen. Sie suchte eine Hose heraus, die ihrer Meinung nach nicht zu offensichtlich zeigte, dass ich eine Windel anhatte. Ihr schien es noch peinlicher zu sein, als mir und trotzdem sprach sie in normalem Ton darüber, während mein Bettnachbar in seinem Bett lag und verstohlen in ein Buch starrte. Es fehlte nur noch, dass er das Buch verkehrt herum hielt, um seine Anstrengung beim Nicht-Zuhören offensichtlich zu machen.


"Zieh das drüber!", sagte meine Mutter und hielt mir eine Bermuda-Short hin. Weit und luftig für den Sommer und wohl auch genau richtig, um die Windel ihres Sohnes zu verbergen.
Ich gehorchte und zog die Hose unter der Decke an. Ich wollte nicht allen meine neue Unterwäsche präsentieren, vor allem dem fremden Mann im Zimmer. Dann schlug ich die Bettdecke zurück, stand auf und entledigte mich des Bademantels.


"Häng ihn bitte richtig auf. Warum nur muss ich dir das immer wieder sagen?", mahnte meine Mutter.
"Jaaahhhh", antwortete ich mit genervter Stimme und nahm den Bademantel, öffnete die Schranktür und hängte ihn auf einen Kleiderbügel. Das waren solche, wo man nicht klauen konnte. Die Halterung war im Schrank integriert und der Bügel selbst wurde nur an einer kleinen Verdickung am oberen Ende eingehängt. So zumindest war sichergestellt, dass genug Kleiderbügel in jedem Schrank waren.


'Wer nimmt sich eigentlich Kleiderbügel aus dem Krankenhaus mit?', schoss mir durch den Kopf. Irgendwie tragisch, wenn man zum Abschluss seiner Genesung noch ein Erinnerungsstück mitnehmen muss und der nächste Patient seine Klamotten nicht aufhängen kann.
Mit etwas Fummelei hatte ich meinen Bademantel endlich im Kleiderschrank verstaut. Ich überlegte immer noch, was ich meiner Mutter entgegnen sollte. Dabei hatte alles so harmlos angefangen. Da war der Zivi, der in den Oberschrank die Windeln packte, da war meine Neugier, sie anzuprobieren und da war die Gelegenheit. Und nun stand ich in einer Bermuda-Short vor meinem Schrank, meine Mutter wollte, dass ich erwachsen werde und praktisch jeder wusste, dass ich eine Windel anhatte.
Das gute Gefühl vom Anfang bekam einen echt bitteren Beigeschmack. Einen sehr bitteren Beigeschmack.


"Ich bin erst 12 und ich bitte dich, mir noch etwas Kindheit zu lassen.", sagte ich, mit Tränen in den Augen. Ich hatte mich im Satz umgedreht und schaute in Richtung meiner Mutter, die auf dem Tisch meine frisch gewaschenen Klamotten in kleiderschrankgerechten Stapeln sortiert hatte. Erstaunt und mit einem fürsorglichen Mutterblick schaute sie mich an und hielt einen Moment inne.
"So habe ich das doch gar nicht gemeint, Ben.", sagte sie mit einem beruhigenden Tonfall, der ganz anders klang, als die gestresste, leicht vorwurfsvolle Stimme vor wenigen Augenblicken. "Ich mache mir nur Gedanken, wie dein Umfeld reagiert. Du wirst älter und damit wird es immer unwahrscheinlicher, dass Kinder in deinem Alter Windeln tragen.".
Das hat gesessen. Eigentlich hatte meine Mutter recht. Zwar gab es Windeln für meine Altersklasse und damit auch sicher Kinder, die sie benutzten, aber getroffen hatte ich ein gleichaltriges Kind mit Windeln noch nicht.


"Lass das Problem bitte jetzt nicht zum Problem werden.", sagte ich und irgendwie wirkte das ziemlich erwachsen, fand ich jedenfalls. Meine Mutter packte die Wäsche in den Schrank, verabschiedete sich mit einem Kuss von mir und sagte: "Ich muss los. Meine Schicht fängt bald an und ich wollte dir nur schnell die frischen Sachen bringen. Sei brav und ärgere die Schwestern nicht.".
Fehlte bloß noch, dass sie 'Versprichst du mir das?" sagte, aber diesen Nachsatz hörte ich zum Glück in letzter Zeit immer seltener. Sie nahm ihre Tasche und ging, aber nicht, ohne mir an der Tür noch einmal zuzuwinken. Eigentlich ist meine Mutter toll, aber in solchen Momenten ist es dann auch etwas peinlich. Ich rannte zum Fenster und schaute runter zur Straße. Sicherlich winkt sie noch einmal, bevor sie außer Sichtweite ist.


Es dauerte nicht lange und sie tauchte unten am Ausgang auf. Ehe ich ihren mütterlichen Blick sehen konnte, öffnete sich hinter mir die Tür. Ein neuer Patient wurde hereingeschoben und als das Bett um die Kurve kam, gab es den Blick auf einen schwarzhaarigen Jungen etwa in meinem Alter frei. Er schien zu schlafen. "Ben, hier mal jemand in deinem Alter. Das ist Thomas, aber bitte lass ihn in Ruhe, er ist noch bewusstlos.".


Die Frage nach dem Grund für seine Bewusstlosigkeit lag mir auf der Zunge, als die Schwester erneut ansetzte: "Wenn du eine neue Spezialunterhose brauchst, sag Bescheid.". Dabei schaute sie bedeutungsvoll in meine Richtung und meinte, ich wüsste, wovon sie sprach und zwar nur ich.
Scheinbar hatte das Personal auch keine einheitlichen Regeln, mit der Intimsphäre ihrer Patienten umzugehen. Da fiel mir doch glatt die Kondomwerbung mit der Kassiererin ein, die lauthals nach ihrer Kollegin und den Kondomen plärrte. Und nun gab's die Info so verschlüsselt, dass ich selbst für einen Moment nicht wusste, was sie damit meinte. Eine Windel bleibt eine Windel, egal, wie man sie nennt. Viel Zellulose und Plastik für ein Leben ohne Klo.


Die Schwestern hatten das Zimmer schon wieder verlassen und ich griff instinktiv an mein Hinterteil, um zu prüfen, ob noch alles trocken  war. Und es war alles trocken, kein Grund für die nächste "Mach dich mal frei"-Runde. FKK hatte ich schon als Kleinkind gehasst und selbst meine Mutter hatte seit Jahren striktes Zimmerverbot, wenn ich mich umzog. Im Krankenhaus hört man dann zwar so Sätze wie: "Ach, ich bin doch Krankenschwester, ich habe das doch alles schon gesehen.", aber wirklich besser fühle ich mich nicht dabei. Bei allem Interesse für die Windeln, meine Mutter hatte Recht, ich musste wenigstens hier erwachsen werden, immerhin hatte ich nun auch noch einen gleichaltrigen Leidensgenossen auf meinem Zimmer.


"Shit!", klang es in dem Moment aus seiner Richtung. Der schwarze Lockenkopf hatte sich aufgerichtet und schaute unter seine Bettdecke. "Shit! Shit! Shit!", sagte er weiter und als er meinen Blick bemerkte, ließ er ganz schnell die Bettdecke wieder fallen.
"Sorry! Hab dich gar nicht bemerkt.", sagte er und legte sich wieder hin. Er sah gar nicht glücklich aus.


"Macht nix, ich wollte grade am Fenster schauen...". Den Satz beendete ich nicht.
"Kannst du mal ne Schwester holen?", fragte mich Thomas. "Ach übrigens, ich heiße Thomas."
"Ben.", sagte ich trocken und ging auf die Suche nach einer Schwester. Claudia, die nette, die im Zimmer so dezent nach meiner "Spezialunterwäsche" gefragt hatte, saß im Schwesternzimmer.
"Ähm, der Neue auf meinem Zimmer ist wach und braucht eine Schwester.", sagte ich.
"OK, ich bin gleich da. Er soll bitte so lange liegen bleiben.", entgegnete sie mir.
Zurück im Zimmer sah ich eben  noch die Decke in ihre eigentliche Position gleiten. "Kommt gleich jemand, sollst liegen bleiben.", sagte ich.


"Darauf kannst du Gift nehmen.", sagte der Junge, "So stehe ich garantiert nicht auf.". Sein Kopf nickte Richtung Bettdecke und ich ahnte den Grund für seinen Kummer. Krankenhäuser haben scheinbar einen Hang dazu, Leute nackig zu machen. Und wenn man dabei bewusstlos ist, naja, dann kann das schon mal unangenehm sein.
Die Tür öffnete sich, Claudia kam rein und Thomas sagte ohne Umschweife: "Einmal Anziehen, bitte!".


Das Bitte klang sehr eindringlich und Claudia schien diese Bitte auch sofort zu verstehen, löste die Bremsen vom Bett und schob den Neuen wieder raus. Ich war offensichtlich nicht der Einzige, der sich genierte und Claudia scheint ein Gespür dafür zu haben, wie viel Privatsphäre man bzw. Junge braucht.
***

PS: Jesus lebt!


Eingesendet von User Ben per E-Mail. Vielen lieben Dank!

1 Kommentar:

  1. Freue mich schon wieder auf die Fortsetzung ;)

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